Oktober 2017, Veröffentlicht in blog, Ernährung

Ernährungsdogmatismus // Eine gesunde Balance finden

∴ YOU ARE WHAT YOU EAT ∴

Slogans wie diesen kennen wir alle. Selbstoptimierung gepaart mit einer hippen Ernährungsphilosophie hat in der modernen westlichen Gesellschaft einen Religionscharakter angenommen. Wer was auf sich hält, verschreibt sich dem Paleo, der Rohkostdiät oder ernährt sich zumindest vegan. Immer häufiger stelle ich fest, dass diese Welle kein Ende zu nehmen scheint. Im Gegenteil: an jeder Ecke finden sich Ratgeber, Tipps und Ernährungsgurus, die ihre ultimativen Lehren propagieren. Wer soll bei diesem Dschungel an Möglichkeiten noch den Überblick bewahren?

Die Basis eines Lebens in Gelassenheit ist doch die Einfachheit. Ob wir nun geistige Nahrung zu uns nehmen oder unseren Körper mit Lebensmitteln nähren und unterstützen. Die Schlichtheit ist uns abhandengekommen.

AUS DER ERNÄHRUNGSKISTE GEPLAUDERT

Eine ausbalancierte Ernährungsweise spielt in meiner Welt nun schon seit mehr als zwanzig Jahren eine große Rolle. Während meiner Pubertät erkrankte ich am Darm. Bis heute sollte ich eine Sensibilität im Verdauungstrakt beibehalten. Da lag es nahe, dass ich im zarten Alter von 14 Jahren begann, mich mit unterschiedlichen Ernährungstheorien zu befassen. Es folgten diverse Ernährungsumstellungen und einige Selbstversuche in Form von Ausschlussdiäten. Mit der Erkenntnis, dass kein Ernährungsansatz (alleine!) in der Lage war, einen ausschlaggebenden Einfluss auf meinen Darm auszuüben.

Zwar war ich stets darauf bedacht, mich ausgewogen zu ernähren doch mit jeder noch so disziplinierten Einhaltung der Ernährungsvorschriften geriet ich mehr und mehr in ein extremes Ungleichgewicht. Auch mein Geist radikalisierte sich zunehmend und der Genuss am Essen ging völlig flöten.

IN EINEM GESUNDEN KÖRPER WOHNT EIN GESUNDER GEIST

So lernte ich früh, dass mich einseitige Ernährungsempfehlungen starr und unflexibel machten. Sie bewirkten das Gegenteil von dem, was mein Körper benötigte. Mein Körper verlangte nach einer ganzheitlichen Lösung. Nach Weichheit und einer jahreszeitlich angepassten Ernährung in Übereinstimmung mit den Zyklen der Natur. Nach emotionaler Stabilität und spiritueller Seelennahrung. Unser körperliches Wohlbefinden ist eben untrennbar verbunden mit unserer Umwelt und unserem Energiekörper.

KREISLAUF DER WIEDERHOLUNG

Doch selbst diese, über Jahre hinweg gewonnene, Erkenntnis hielt mich vor kurzem nicht davon ab, mich erneut in meinen Grundmanifesten erschüttern zu lassen. Eine für mich neue Ernährungsweise wurde mit einer solchen Vehemenz an mich herangetragen, dass ich mich zum wiederholten Male in den Ernährungsdogmatismus flüchtete. Komplett getreidefrei, milchproduktefrei und zuckerfrei war das neue Heilsversprechen und ich verschrieb mich der konsequenten Einhaltung dieser Ideologie. Am Ende verlor ich mehrere Kilos, einige Nerven und schlidderte in einen akuten Schub meiner alten Darmerkrankung.

FAZIT

Rückblickend habe ich aus all den gesammelten Erfahrungen gelernt, dass es bei Ernährung vor allem um die Beziehung zum eigenen Körper geht. Um einen liebevollen Umgang auch mit Körperbereichen, die vielleicht von gesellschaftlichen Tabus betroffen sind. Dem eigenen Bauchgefühl folgen, die eigene Stimme wahrnehmen, in sich selbst hineinhorchen. Rituale, deren Bedeutung verloren gegangen ist, seitdem wir uns permanent an anderen orientieren.

Strenge, Disziplin und Verzicht kreieren nur körperlichen und emotionalen Mangel. Erst durch die Befreiung von äußeren Zwängen, fand ich zu einer achtsamen und intuitiven Ernährungsweise. Mir bereitet es Freude, durch Biomärkte zu schlendern, regionale & saisonale Lebensmittel auf dem Wochenmarkt zu besorgen und mich dann mit Dankbarkeit ans Zubereiten der Speisen zu machen. Ein großes Stichwort ist wohl die Mäßigkeit, die für alle Lebensbereiche gilt und uns näher zu unserer Mitte bringt.

AUSBLICK

Zur Zeit lasse ich mich inspirieren von einer undogmatischen makrobiotischen Küche von Madhavi Guemoes {kaerlighed}, von der vitalisierenden ayurvedischen Kochkunst von Julia Wunderlich {rolling tiger} und dem Blog des skandinavischen Paares David Frenkiel & Louise Vindahl {greenkitchen}. Ein fröhlicher Mix aus bunten, abwechslungsreichen Gerichten und interessanten Tipps & Anregungen rund um das Thema Ernährung.

Wer erst einmal seine eigene, gesunde Balance gefunden hat, wird feststellen, dass Kochen ein Akt ist, der Kreativität & Meditation vereint. Eine Beschäftigung, die mehr Fülle und Leichtigkeit schenkt. Die unser Leben bereichert.

#keepitsimple


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Carola Kreuels

staatlich geprüfte Masseurin

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